Hüsli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Heimat für die Neu-Böhringer

 

Manche Dinge brauchen unheimlich Zeit, bis sie Wirklichkeit werden. Und so manches Mal bleiben sie für ewige Zeiten eine Utopie. Im Falle der Neu-Böhringer wendete sich das Blatt zum Guten. Aus einem Traum wurde Realität. Was für ein Traum war dies wohl? Ging es um einen Sechser im Lotto? Um ein neues Häs? Um eine neue Vereinsgaststätte? Um ein eigenes Vereinsheim? Ja, in diese Richtung geht es. Seit 1. Oktober 2002 haben die Neu-Böhringer ein Grundstück mit einem Häuschen gepachtet. Doch von vorne!

 

Von einem Vereinsdomizil träumte schon Robby Kramer, der diesen Singener Narrenverein bis 1988 leitete. Und sein Traum übertrug sich auf seinen Nachfolger Dieter Matschke. Es war ein langer Traum. In den 80er Jahren waren die Vereins-Utensilien nicht nur in ganz Singen verteilt, sondern man musste manchmal schon nach Friedingen oder nach Twielfeld fahren, um die benötigten Dinge parat zu haben. Sogar auf dem Speicher des Sennhofes waren Gegenstände gelagert, was nicht einmal der damalige Abteilungsleiter gewusst hatte. Daher war man immer bestrebt, diesem Zustand ein Ende zu bereiten und so ergriff man die nächstbeste Gelegenheit beim Schopfe. Mit einem Großteil des Lagerbestandes zog man zunächst in das damals leerstehende alte Haas & Kellhofer-Areal. Hier hatten nicht nur die Neu-Böhringer eine Bleibe gefunden, hier waren unter anderem die Alt-Neuböhringer, die Grabenhupfer, die Blumenzupfer, der Spielmannszug der Stadt Singen und der Fanfarenzug Blau-Weiß untergebracht.

 

Je konkreter die Planungen zur Überbauung eines größeren Areals südlich der Bahnlinie wurden, auf dem später einmal ein Dienstleistungszentrum entstehen sollte, um so kritischer wurde die Unterbringung der Vereine. Bevor man überhaupt eine neue Bleibe hatte, kam es erst noch zu einer Überraschung in den Kellerräumen. Die Vereine bekamen sozusagen ein Abschiedsgeschenk: Da ein Wasserablaufrohr im Zuge von Aushubmaßnahmen verstopft worden war, genügte ein kurzer, aber heftiger Regenguss, der anschließend zu einem Rückstau führte, und dies sorgte zu guter Letzt für eine Bescherung in Form eines Wassertretbeckens im Keller.

 

In der Folgezeit wurden die Vereinsgegenstände wieder verteilt. Narrenbaumwagen, Jahrmarktstände, eine Bar waren im Umspannwerk beheimatet, die Kostüme gelangten in den Keller der Schillerschule, ein Teil des Archivs landete beim 1. Vorstand und wenn man etwas suchte, dann war es mit Sicherheit nicht dort, wo man es zu finden glaubte. Durch die Anmietung einer Garage in der Innenstadt entspannte sich die Situation zusehends, doch schon nach kurzer Zeit mussten die Vereinsmeier feststellen, dass die Garage nicht mehr ausreichte. Durch eine glückliche Fügung war schräg gegenüber eine andere, größere Garage freigeworden, so dass man die ganze Sammlung einfach von einer Garage zur nächsten umzog.

 

Somit waren ja alle Probleme gelöst. Aber waren wirklich alle Probleme beseitigt? Wir hatten Strom und damit auch Licht und Heizung. Wir hatten all unsere Schränke, unsere Regale gut gefüllt - was wollten wir noch mehr? Es zeigte sich, dass manche Neu-Böhringer immer noch mehr wollten. Was bei der Garage fehlte, war etwas ganz Wichtiges! Die Männer hatten es ja einfach, sie konnten sich einfach an den Zaun stellen und unser Geschäft verrichten. Unsere Frauen konnten nur schlechte Miene zum bösen Spiel machen. Hände waschen war ebenfalls unmöglich. Und ein Fest in einem Hinterhof mitten in der Stadt zu veranstalten, auch wenn er von etlichen Garagen umgeben ist, ist eben ohne die nötige Infrastruktur zum Scheitern verurteilt.

 

Als sich durch einen Fürsprecher von Stocken (Stockach), nämlich durch den Singener Oberbürgermeister Andreas Renner, der ja bekanntlich aus Stockach stammt, die Gelegenheit bot, ein Haus von der Stadt zu pachten, schlugen die Narren dieses Angebot nicht aus. Innerhalb der folgenden zwölf Monate wurde das Haus von innen komplett renoviert, eine Wärmedämmung wurde angebracht, die Elektrik wurde neu verkabelt, und so ist mittlerweile ein richtiges kleines Schmuckstück entstanden. Die Fenster sind vergittert, was zwar schade, aber andererseits leider nötig ist. Nachdem der Dschungel in den Außenanlagen gelichtet wurde, sieht man erst, wie groß die entstandene freie Fläche wirkt. Diese macht einen richtig einladenden Eindruck.

 

Daher wurde Ende September 2003 bei traumhaftem Wetter die Einweihung des Häuschens mit einer großen Gartenfete gefeiert. Damit verbunden war gleichzeitig ein Helferfest für diejenigen, die sich in irgendeiner Form an den Umgestaltungsmaßnahmen beteiligt hatten. Bewirtet hatte der Spielmannszug der Jugendfeuerwehr Rielasingen-Worblingen, der die Gäste mit einem leckerem Essen und mit den dazu notwendigen Getränken verwöhnte. Natürlich gab es einige Reden zur Einweihung, aber auch die trugen zu einem gelungenen Festtag bei. OB Renner war stellvertretend für die Kommune gekommen. Der Reigen der versammelten Narren war weitaus größer. So konnte Dieter Matschke nicht nur den Kanzelar der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee Walter Benz begrüßen, sondern auch den Landvogt der Landschaft Rosenegg Herbert Schober. Stephan Glunk von der Singener Poppele-Zunft war der Einladung gefolgt, ebenso wie der Präsident der Vereinigten Singener Narrengesellschaften Marco Pavan und dessen Vorgänger Helmut Maier. Eine stattliche Zahl weiterer närrischer Vertreter rundete das Bild zur Einweihung ab.

 

Jetzt haben wir Neu-Böhringer alles, von dem wir so geträumt haben ..... Moment mal, etwas fehlt noch! Einen Namen für unser "Hüsli" haben wir noch nicht, aber davon berichten wir dann nächstes Jahr.

 

© 2016 Narrenverein Neu-Böhringen e.v. Singen am Hohentwiel 1905