Narrenrat

Hansele

Bürger

Anfangs als närrischer Gemeinderat der Narrengemeinde Neu-Böhringer, später als Elferrat und seit einigen Jahren als Narrenrat des Narrenvereins Neu-Böhringen tituliert, lenken diese an der Spitze stehenden Personen die Geschicke des Vereins. Heute ist die Personenzahl des Gremiums variabel, früher war sie - wie der Name sagt auf elf festgelegt. Dies ist auf den vormaligen Einfluss des Karnevals zurückzuführen, der selbst hier im äußersten Süden Badens zu spüren war. Nicht zu übersehende Kennzeichen waren in den 50er Jahren die prunkvollen Elferratsgewänder mit ihren Karnevalskappen. Noch heute erinnert in Singen die Fasnachtseröffnung am 11.11. an diesen Einfluss.

 

Heute ist der Narrenrat mit einem weinroten, ärmellosen Umhang und einer grünen Weste mit Vereinswappen ausgestattet, darunter mit einem gelben Hemd oder einem gelben Rolli. Zur schwarzen Kniebundhose trägt er gelbe Strümpfe und schwarzes Schuhwerk. Zum Kostüm gehören außerdem weiße Handschuhe und ein schwarzer Hut, mit dem Vereinswappen und einer grün-gelb-roten Kordel. In der Hand tragen die Räte ein Narrenzepter oder Marotte, welche aber kein Narrengesicht aufweist, sondern das Gesicht einer Katze

 

Das Hanselekostüm wird seit 1953 in Neu-Böhringen getragen, wobei ausschließlich männliche Mitglieder unter den Masken stecken. Vermutlich wurde das Kostüm dem Blätzlehansele nachempfunden, das die Poppelezunft 1949 vorgestellt hatte. In der Farbzusammenstellung sind allerdings Unterschiede erkennbar. So wechseln sich die Blätzle in Neu-Böhringen in folgender Reihenfolge ab: gelb, grün, grau, rot und braun. Aufgenäht sind diese auf einen zweiteiligen Drillichanzug mit Oberteil und Hose. Der Hanselekopf oder auch Spiegel genannt ist ebenso mit Blätzle besetzt, abgesehen von der schwarz gehaltenen Gesichtsmaske mit weißen Einfassungen der Öffnungen und Andeutung eines Mundes.

 

Bis ausgangs der 78er Jahre war der Spiegel eine komplett schwarze Kopfbedeckung, die in spitz zulaufende Enden mündete, an denen jeweils eine kleine Schelle befestigt war. Bis dahin war das Kostüm mit schmaleren, spitz zulaufenden Blätzle besetzt. Die heutigen Stanzwerkzeuge sind breiter und u-förmiger. An jedem roten Blätzle ist ein kleines Glöckle (Schelle) angenäht. Komplettiert wird das Hansele mit den weißen Handschuhen, schwarzem Schuhwerk und einem mehrfarbigen Hanselestecken, an dem Suublootere (Schweinsblasen) befestigt sind, die während des Umzugs in Drohgebärden über den Köpfen geschwungen werden, aber die sich auch immer wieder auf die Zuschauer herabsenken.

 

Der wesentliche Bestandteil des Neu-Böhringer Bürgergesellenkostüms ist die grüne Kutte, die auf den Fuhrmannskittel früherer Jahre zurückzuführen ist. Getragen wird sie seit der Wiederbelebung der Fasnacht. Nach dem zweiten Weltkrieg war auch dieses Kostüm einigen Änderungen unterworfen. So gab es Kutten, die sich am Brustausschnitt mit einer Kordel zuschnüren ließen. Es gab Kutten zum zuknöpfen und solche mit Reißverschluss. Von 1974 bis 1990 wurde die schwarze Katze in einem gelben Karo auf dem Rückenteil der Kutte getragen.

 

Heute ist die Herkunftsbezeichnung "Neu-Böhringen Singen" in gelben Lettern halbkreisförmig auf dem Brustteil aufgestickt. Kragen, Schulterklappen und Seitentaschen sind mit rot-gelben Litzen besetzt. Auf der grünen Strickmütze ist eine kleine gelbe Raute mit einer schwarzen Katze zu erkennen. Die Mütze endet mit einem Bommel, bestehend aus den Farben grün, gelb und rot. Dazu trägt der Bürgergeselle schwarze Hosen und schwarzes Schuhwerk, unter der Kutte ein gelbes Hemd oder einen gelben Rolli. 2005 bekamen die Männer noch ein besticktes gelbes Halstuch mit Holzknopf hinzu. Neue männliche Mitglieder werden in die Gruppe der Bürgergesellen eingegliedert, wo sie vielleicht bleiben, oder von wo aus sie in die Gliederung der Hansele wechseln oder in den Narrenrat berufen werden.

 

Bürgerin

Narrenbolizei

Katze

Eine vielfältige Entwicklung hat das Häs der Neu-Böhringer Frauen durchgemacht. Ein Kostüm mit Bluse, Rock, Weste und Umhang, mal mit - mal ohne Hut, mal mit Katzenmütze, mal mit rotem - mal mit grünem Umhang und je nach Mode mal mit langen - mal mit kurzem Rock.

 

Es gab fast nichts, was es nicht gab. Änderungen erfolgten in den Jahren 1962 und 1972. Schon bald nach dem Beitritt zur Narrenvereinigung Hegau-Bodensee wurden Überlegungen angestellt, welche Form ein zeitloses, modeunabhängiges Frauenhäs haben könnte. Das Ergebnis wurde 1985 vorgestellt: gelbe Bluse, langer grüner Rock, eine rote Schürze, gelbe Strümpfe und schwarze Schuhe. Den Umhang hat eine gehäkelte Stola ersetzt. Bei Bedarf wird mit der Bluse zusätzlich ein gelber Rollkragenpullover getragen. Seit 2004 gibt es für die an Umzugsteilnehmerinnen wieder einen in schwarz, rot und grün, gehaltenen Umhang

 

Der Narrenbolizei trägt eine Uniform, bestehend aus einer rot-dunkelblauen Jacke und einer dunkelblauen Hose. Beide Kleidungsstücke sind besetzt mit goldfarbenen Borten, wobei besonders die Jacke reiche Verzierungen aufweist. Unter der Jacke kommt eine rote Weste zum Vorschein, darunter wird ein gelbes Hemd getragen. Zur Bolizeiuniform gehören weiße Handschuhe und schwarzes Schuhwerk.

 

Als Kopfbedeckung dient eine Pickelhaube mit dem Badener Wappen. Der Säbel und die Bolizeischelle runden das Bild ab. Durch die Schelle kommt dem Narrenbolizei die Funktion eines Ausschellers zu. Er macht das Publikum auf die folgende Umzugsgruppe aufmerksam. Aus diesem Grunde laufen beide Neu-Böhringer Narrenbolizeien an zweiter Stelle der Umzugsgruppe. Bereits am 11.11.1904 wurde ein Gemeindepolizist ins Amt berufen, der damals schon als Ausscheller fungierte. Über dessen Kostüm wird allerdings nichts ausgesagt. Die Sackos der Uniform wurden 2007 nach altem Muster neu angefertigt.

Die Katze ist das Wappentier des Narrenvereins. Dies kommt nicht von ungefähr, denn früher gab es in dem Gebiet, in dem die Neu-Böhringer gegründet wurden, eine Unmenge von Katzen. Es hat allerdings bis 1978 gedauert, bis die Katze als Fasnachtsfigur in Singen Gestalt angenommen hat. Als Gegenstück zu den Hansele, die nur von männlichen Mitgliedern getragen werden, ist das Katzenkostüm ausschließlich den weiblichen Mitgliedern vorbehalten. Auf einen Drillichanzug werden im Wechsel schwarze und weiße Filzstücke aufgenäht.

 

An die etwa knielange Hose wird ein ein bis zwei Meter langer Schwanz angesetzt. Unter dem Oberteil des Kostüms trägt man einen weißen Rolli und darüber einen, mit Vereinsnamen bestickten schwarzen Pulli. Weiße Handschuhe, weiße Strümpfe und schwarzes Schuhwerk gehören ebenfalls zum Kostüm dazu. Vervollständigt wird dieses Häs durch die Holzmaske, von denen heute dreißig existieren, wobei keine der anderen gleicht.

 

Bajazzo

Eulalia

Fähnrich

Der Name "Bajazzo" kommt aus dem italienischen und steht für die Figur des Possenreißers im italienischen Theater, d.h. Bajazzo bedeutet nicht anderes als "Narr". Das Kostüm dieser Figur ist begründet im Hofnarrentum des Mittelalters. Der Hofnarr besaß bestimmte Attribute, dazu gehörten beispielsweise die Eselsohren, Schellen, die Marotte oder ein Spiegel (z.B. Eulenspiegel). Unsere Bajazzo-Kostüme sind mit Schellen (Glöckle) und mit Eselsohren (Hörnle) ausgestattet. Das Kostüm ist in den Farben rot und grün gehalten, wobei die Farben von oben nach unten immer wieder die Seiten tauschen. 1954, als der Bajazzo vorgestellt wurde, war es für Jugendliche und Heranwachsende gedacht. Seit 1974 wird er vom Narrensamen, also von unseren Kindern getragen und neuerdings auch wieder von Erwachsenen und Heranwachsenden.

 

1983 wurde das erste Erwachsenenkostüm der Öffentlichkeit vorgestellt. Damals hatte es sich der Bajazzo zur Aufgabe gemacht, den Leuten den Spiegel vorzuhalten, um sie an ihre eigene Narrheit zu erinnern. Heute besitzen erwachsene Bajazzo die grundsätzliche Aufgabe, über die Schar der Jüngsten zu wachen und mit ihnen Spiel- und Bastelnachmittage zu veranstalten, sowie auch manchmal einen Ausflug zu organisieren.

 

An Umzügen war sie noch nie dabei. Auch an den Saalveranstaltungen tritt sie nur selten in Erscheinung. Unsere Eulalia Kunigunde Fasnet ist eine Symbolfigur für die Neu-Böhringer Fasnacht. An Martini hat sie ihren ersten Auftritt für die Fasnachtssaison, am Fasnetzieschdig ihren zweiten und letzten.

 

Am 11.11 wird sie von ihre Neu-Böhringer Gemeinde mit Leben beseelt. Sie wird mit einem Kuss erweckt, worauf sie den Anwesenden das neue Fasnachtmotto verkündet. Ihre Beerdigung beschließt am Fasnachtsdienstag die Fasnacht, wobei sie ohne jegliche Miene zu verziehen, am Seil herabgelassen wird, während die um sie versammelte Narrengemeinde unter Heulen und Wehklagen um die verblichene Eulalia Kunigunde Fasnet trauert.

 

Der Fähnrich, der zur Unterabteilung der Bürgergesellen gehört, bildet den Anfang der Neu-Böhringer Umzugsgruppe. Durch den Tragegurt und weiße Handschuhe unterscheidet er sich von den anderen Bürgergesellen.

 

Für den Posten des Fähnrichs werden normalerweise stämmige und kräftige Mannsbilder ausgesucht, die auch einen steife Briese nicht aus dem Gleichgewicht bringt.

 

Standarte

2006 bekommt der Fähnrich eine leichtere und modernere Standarte. Die Patenschaft für diese übernimmt das Tiroler Eck, die Weihe fand am Ordensabend 2006 durch den Vorstand Uwe Schmid und die Mitglieder Peter Bliestle, Matthias Denzel und Stefan Dierking statt. Die quadratische Standarte ist grün gerahmt mit gelbem Grund. Die Mitte bildet die schwarze Katze, das Wappentier, und über und unter der Katze sind zwei rote Flächen, auf denen in schwarzen Buchstaben der Vereinsname zu lesen ist.

 

Ehrenhaftender Patenspruch für eine zu patende Standarte.

"Oh, du Standarte, du." Wir, die Paten vom Tiroler Eck (Du darfst auch Göttis zu uns sagen), geloben närrisch feierlich dich zu ehren und zu schützen und dich im Notfall sogar zu uns ins Ehebett mitzunehmen.

"Oh du Standarte, du."

Wir wollen dich bei Umleitungen des Umzugweges wieder auf den rechten Pfad bringen, dich halten und begleiten und bei Regen darfsch du unser Haupt schützen.

Wir, die Paten vom Tiroler Eck (Du darfsch auch immer noch Göttis zu uns sagen), geloben weiterhin närrisch feierlich, bei einer Entführung deinerseits ein Lösegeld bis zu einer Höchstsumme von 10 Weißweinschorles zu entrichten. (Bei einer höheren Trinkgeldforderung müssen sich die Entführer mit dem Narrenverein "Neu-Böhringen" in Verbindung setzten).

Wir, die Paten des Tiroler Eck (Du darfsch auch weiterhin noch Göttis zu uns sagen), geloben zuletzt noch närrisch feierlich, selbst wenn du - "Oh du Standarte, Du" - nur noch die letzte nüchterne Bastion in der Scheffelhalle bist, dich himmelwärts streckend über die auf der Tanzfläche erschöpft liegenden Leiber hinaus zu tragen und sicher an der Garderobe abzugeben.

"Oh du Standarte, du."

Wir Tiroler geloben dies närrisch feierlich.

Singen, den 22.02.2006 in den Schäferstuben.

 

Die Vorstandschaft des "Tiroler Eck".

 

© 2016 Narrenverein Neu-Böhringen e.v. Singen am Hohentwiel 1905